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Tabakerhitzer / IQOS aufhören – der echte Ausstieg

Umgestiegen, weil es „harmloser“ sein sollte – und trotzdem hängt man am Nikotin? Damit bist du nicht allein. Hier erfährst du, warum der Erhitzer nicht der Ausstieg ist und wie du wirklich frei wirst.

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Kurz gesagt: Ein Tabakerhitzer verbrennt den Tabak nicht, sondern erhitzt ihn auf rund 350 °C – dadurch entstehen mehrere Schadstoffe in geringerer Menge als im Zigarettenrauch. „Geringer“ ist aber nicht „unschädlich“: Das Aerosol enthält weiterhin Nikotin und krebserzeugende Stoffe, und die langfristigen Gesundheitsfolgen sind bislang unerforscht. Vor allem bleibt das Nikotin – und damit die Abhängigkeit – praktisch gleich. Der Umstieg wechselt oft nur die Verpackung; der echte Ausstieg ist der Schnitt vom Nikotin.

„Weniger Schadstoffe“ – aber nicht harmlos

Ein Tabakerhitzer wie IQOS funktioniert anders als eine Zigarette: Der Tabak wird nicht verbrannt, sondern in einem Gerät auf rund 350 °C elektronisch erhitzt. Dabei entsteht ein Aerosol, das inhaliert wird. Eine Nutzung dauert etwa so lange wie eine Zigarette – rund sechs Minuten oder etwa 14 Züge. Weil die Verbrennung fehlt, fallen viele der klassischen Rauchschadstoffe geringer aus. Das ist der Kern des Werbeversprechens „weniger schädlich“ – und genau hier lohnt der genaue Blick.

Nach Auswertung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sind mehrere Schadstoffe im Aerosol tatsächlich reduziert: krebserzeugende bzw. potenziell krebserzeugende Carbonylverbindungen wie Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein um etwa 70 bis 99 Prozent, tabakspezifische Nitrosamine um mehr als 90 Prozent, flüchtige Stoffe wie Benzol und Toluol um 98 bis über 99 Prozent gegenüber Tabakrauch. Eine unabhängige Untersuchung mit anderer Messmethode fand allerdings deutlich kleinere Effekte – Formaldehyd nur um 26 Prozent, Acrolein um 18 Prozent verringert. „Geringer“ heißt also nicht null: Das Aerosol enthält weiterhin Nikotin und krebserzeugende Substanzen.

Hinzu kommt: Im Aerosol wurde bereits ein Schadstoff nachgewiesen, der im Zigarettenrauch gar nicht vorkommt (ein giftiges Abbauprodukt aus einem beim Gebrauch schmelzenden Kunststoff-Filter). Unabhängige Wissenschaftler, die Herstellerdaten neu ausgewertet haben, halten Schädigungen von Lunge und Leber für möglich. Das Fazit des DKFZ ist deutlich: Tabakerhitzer sind „trotz der geringeren Schadstoffbelastung keineswegs harmlos“, und ihr langfristiges Gefährdungspotential ist derzeit unbekannt, weil geeignete Langzeitstudien fehlen.

Ein wichtiger Vorbehalt: Ein großer Teil der bisherigen Daten stammt aus Studien der Hersteller – die wegen des Interessenkonflikts kritisch zu betrachten sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formuliert es noch klarer: Es gibt derzeit keinen Beleg dafür, dass Tabakerhitzer weniger schädlich sind als herkömmliche Tabakprodukte. Eine geringere gemessene Schadstoffbelastung bedeutet nicht automatisch ein geringeres Gesundheitsrisiko. Für Nichtraucher gilt deshalb: gar nicht erst anfangen.

Warum der Umstieg die Abhängigkeit nicht löst

Der entscheidende Punkt geht im „harmloser“-Versprechen oft unter: An der Sucht ändert der Erhitzer nichts. Laut DKFZ nimmt man beim Erhitzer vergleichbare Nikotinmengen auf wie beim Rauchen – das Abhängigkeitspotential ist damit ähnlich hoch. Auch die BZgA (rauchfrei-info.de) ordnet Tabakerhitzer mit einem „vergleichbaren Abhängigkeitspotenzial“ ein. Das Suchtmittel bleibt dasselbe, nur das Gerät ist neu.

Nikotin bleibt

Der Erhitzer liefert weiterhin Nikotin, und du nimmst laut DKFZ vergleichbare Mengen auf wie beim Rauchen. Menge und Verlangen bleiben meist unverändert.

„Harmloser“ ist relativ

Mehrere Schadstoffe sind geringer, aber das Aerosol enthält weiter Nikotin und krebserzeugende Stoffe. Die Langzeitfolgen sind unerforscht – ein sicheres Produkt ist es nicht.

Ritual unverändert

Stick, Zug, Pause, Handbewegung – rund sechs Minuten pro Stick laufen wie bei der Zigarette. Genau dieses Ritual hält die Gewohnheit am Leben.

Ausschleichen oder klarer Schnitt? Deine Ausstiegs-Strategie

Es gibt nicht den einen richtigen Weg – wichtig ist, dass am Ende das Nikotin wegfällt und nicht nur die Zigarette gegen den Stick getauscht wird. Zwei Wege haben sich bewährt: der klare Schnitt an einem festen Stopptag, oder das schrittweise Reduzieren der Sticks pro Tag mit einem klaren Enddatum. Der Erhitzer selbst ist übrigens kein anerkanntes Mittel zur Rauchentwöhnung – die BZgA empfiehlt ihn nicht offiziell zur Tabakentwöhnung, und ein Medizinprodukt ist er auch nicht. Er ist also kein Werkzeug zum Aufhören, sondern ein weiterer Weg, Nikotin zu konsumieren.

Wichtig: Nicht die Verpackung wechseln – frei werden. Solange Nikotin fließt, bleibt die Abhängigkeit.

Wie lange der körperliche Entzug dauert und was in jeder Phase hilft, liest du unter Nikotinentzug: wie lange? → und Pflaster, Kaugummi oder Spray? →

Typische Rückfall-Situationen beim Erhitzer

Beim Erhitzer stolpern viele über andere Fallen als bei der Zigarette – vor allem, weil sich der Umstieg „gesünder“ anfühlt. Diese drei Muster tauchen besonders oft auf:

Das Ritual blieb gleich

Weil sich Handgriff, Zug und Pause nicht verändert haben, ist der Griff zum Stick tief eingeübt. Fällt er weg, sucht die Hand sofort einen Ersatz – hier setzen Rückfälle an.

Der „ist ja harmloser“-Denkfehler

„Ein Stick schadet ja kaum“ öffnet die Tür zum nächsten. Das Gerät wirkt sauberer – doch Nikotin und Abhängigkeit bleiben gleich, und das Verlangen wächst mit jedem Zug wieder.

Soziale Situationen

Kaffee, Feierabend, andere Nutzer in der Runde: Der Erhitzer ist unauffällig und schnell zur Hand. Für genau diese Momente hilft ein Plan-B, der vorher feststeht.

Erhitzer, Zigarette oder Vape – nicht die Verpackung wechseln

Zwischen Zigarette, Tabakerhitzer und E-Zigarette gibt es reale Unterschiede in der Schadstoffbelastung: Bei Erhitzer und Vape fehlt die Verbrennung, dadurch fallen viele Rauchschadstoffe geringer aus. Für den Ausstieg ist aber eine andere Gemeinsamkeit entscheidend – alle drei liefern Nikotin, und alle drei halten dich abhängig. Beim Erhitzer kommt hinzu, dass Tabak im Spiel bleibt und das Rauch-Ritual fast unverändert weiterläuft.

Deshalb ist der Wechsel von der einen zur anderen Form selten ein echter Fortschritt: Wer von der Zigarette auf den Erhitzer, vom Erhitzer auf die Vape oder umgekehrt springt, bleibt im selben Kreislauf. Das Ziel ist nicht, das Gerät zu tauschen, sondern ganz vom Nikotin loszukommen. Genau dieser Schnitt macht am Ende den Unterschied – nicht die „sauberere“ Verpackung.

Auch das Argument „stört andere weniger“ trägt nur bedingt. Zwar gibt ein Tabakerhitzer zwischen den Zügen keinen Rauch ab, und die Belastung der Raumluft ist laut DKFZ deutlich geringer als durch Tabakrauch. Über das ausgeatmete Aerosol gelangen aber weiterhin Schadstoffe wie Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein in die Luft, die Anwesende einatmen können. Wie stark das gesundheitlich ins Gewicht fällt, ist derzeit nicht abschließend geklärt. Ein Freibrief für den Konsum in Gegenwart anderer ist der Erhitzer also nicht.

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Mehr: Nikotinentzug verstehen · Rauchen aufhören – der ehrliche Weg

Häufige Fragen zum Tabakerhitzer

Ist der Tabakerhitzer weniger schädlich als Zigaretten?
Weil der Tabak erhitzt statt verbrannt wird, sind mehrere Schadstoffe im Aerosol geringer – Carbonylverbindungen wie Formaldehyd oder Acrolein nach DKFZ-Auswertung um etwa 70 bis 99 Prozent, tabakspezifische Nitrosamine um mehr als 90 Prozent. „Geringer“ heißt aber nicht „unschädlich“: Das Aerosol enthält weiterhin Nikotin und krebserzeugende Stoffe, und das DKFZ betont, dass Tabakerhitzer keineswegs harmlos sind. Die WHO sieht keinen Beleg, dass sie weniger schädlich sind als Zigaretten. Von einer sicheren Alternative kann man nicht sprechen.
Warum bin ich nach dem Umstieg immer noch abhängig?
Weil der Erhitzer weiterhin Nikotin liefert – das Suchtmittel bleibt dasselbe. Laut DKFZ nimmt man vergleichbare Nikotinmengen auf wie beim Rauchen, das Abhängigkeitspotential ist also ähnlich hoch. Menge, Ritual und Verlangen sind meist unverändert; man hat nur die Verpackung gewechselt.
Hilft ein Tabakerhitzer beim Rauchen aufhören?
Nein, dafür ist er nicht gedacht. Der Tabakerhitzer ist kein anerkanntes Medizinprodukt und wird von der BZgA nicht offiziell zur Tabakentwöhnung empfohlen. Er ersetzt eine Nikotinquelle durch eine andere und hält die Abhängigkeit aufrecht. Zum Aufhören eignen sich stattdessen ein strukturierter Plan und – bei Bedarf – Nikotinersatz aus der Apotheke.
Wie höre ich mit dem Erhitzer auf?
Wie bei der Zigarette: Muster verstehen, Stopptag vorbereiten, Auslöser erkennen, Ritual ersetzen und Rückfälle abfangen. Ob klarer Schnitt oder schrittweises Reduzieren der Sticks – entscheidend ist der klare Schnitt vom Nikotin bis zu einem festen Enddatum.
Ist der Umstieg ein guter erster Schritt?
Er fühlt sich oft so an, hält die Abhängigkeit aber aufrecht. Wer wirklich frei werden will, kommt am eigentlichen Ausstieg nicht vorbei – ein Programm begleitet genau dabei.

Weiterlesen

Quellen: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), „Fakten zum Rauchen: Tabakerhitzer“ (2018) · Weltgesundheitsorganisation (WHO), Heated Tobacco Products · BZgA, rauchfrei-info.de: Tabakerhitzer. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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